geschrieben von Jana
Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Körper von Frauen* gezeichnet, analysiert, ja erst überhaupt als das zweite, das andere Geschlecht wahrgenommen. Im wahrsten Sinne des Wortes „natürlich“ weniger vernunftbegabt als das federführende männliche Geschlecht. Vor allem das Entdecken der Gebärmutter verknüpfte das biologisch weibliche Geschlecht mit der zu bändigen, zügellosen Natur. Gezeichnet und eingeordnet haben ebenso „natürlich“ nicht selbst die Frauen*, sondern die Künstler, Mediziner und Schüler.
Diese Tradition, dass das biologisch männliche Geschlecht, ausgestattet mit mehr Macht und Zugang im religiösen, wirtschaftlichen, politischen und im persönlichen Bereich hat und damit auch Welt gestaltet, setzt sich auch heute weiter fort. Mit dieser unverdienten Macht wird die Unterordnung von Frauen* gegenüber Männern* zementiert. Denn Männer* bilden nach wie vor die Mehrheit der Entscheidungsträger und Gesetzesgeber und sind die Experten, wenn es darum geht wie sich Frau* in der Welt zu bewegen hat und was sie mit ihrem Körper machen darf, was nicht, was sie soll und was nicht.
Wenn ich mir eine Pille danach verschreiben lassen möchte, muss ich in Deutschland einen Warteraum aufsuchen, bei einem Arzt, der mir nicht zuhört und mir meine Entscheidung mich gegen ein Kind entscheiden zu wollen, nehmen kann. Ich verbringe den halben Tag in diesem Warteraum um überhaupt ranzukommen und überlege währenddessen wie ich das Geld für die Pille danach auftreiben soll. Da ich das 20. Lebensjahr schon seit einer Weile überschritten habe übernimmt nicht die Krankenkasse die Kosten sondern ich habe 35€ zu zahlen. Das ist viel Geld wenn es auf prekäre Lebensverhältnisse trifft und davon sind nach wie vor Frauen* und alleinerziehende Mütter betroffen. Denn Frauen* leisten nach wie vor die meiste Pflege- und Erziehungsarbeit, arbeiten oft in Teilzeit und haben deshalb weniger Chancen auf gut bezahlte Jobs oder höhere Stufen auf der sogenannten Karriereleiter.
Die schlechteren Lebensbedingungen für Frauen sind ein Argument mehr, dass sie selbst entscheiden, wann, wo, wie mit wem und ob oder ob nicht sie ein Kind oder eine Familie gründen wollen. Falls sie sich gegen ein Kind entscheiden, steht ihnen eine unabhängige Beratung zu, der kostenlose Zugang zu Verhütungsmitteln und Medikamenten. Selbstverständlich nur, wenn sie das wollen und nicht durch aufgezwungene Zwangsberatungen, die Frauen* unter Druck setzten und gegen eine Abtreibung argumentieren. Außerdem muss gewährleistet sein, dass es für ärztliches Personal normal sein muss eine Abtreibung durchzuführen und sie vor Belästigung, Verfolgung oder Kündigung geschützt werden. Die Fristenlösung, welche eine selbstbestimmte Entscheidung einschränkt, ist keine Lösung, sondern eine Bevormundung gekleidet in einem „Kompromiss“. Wie viele Jahre dürfen feministische Menschen eigentlich noch gegen die Strafbarkeit von Abtreibung auf die Straße gehen?
Auch über Deutschland hinaus werden Schritt für Schritt von Fundis die Rechte von Frauen angegriffen und die Entscheidung über ihren Kopf und Körper genommen. Das Interesse dahinter kann nur sein, dem Kapital zu dienen und der Wunsch eine ausbeutbare Arbeiterin*klasse aufrecht zu erhalten.
Wenn das nicht schon alles schlimm genug wäre, wird durch all diese Faktoren vor allem Männlichkeit geschützt, erneuert und immer wieder Macht zugesprochen.
Denn wenn Menschen mit Gebärmutter dazu aufgefordert werden Kinder zu gebären und diese zu erziehen, eine Mutter zu sein, dann wird definiert was „Frausein“ bedeutet: der Besitz eines Reproduktionsorgans, die damit verknüpfte Rolle wahrzunehmen und sich dem Abtreten von Rechten unterzuordnen. Die Geschlechterhierarchie behält ihre Ordnung. So war es immer schon und so soll es bleiben. Allen, die nicht reinpassen wird „neben“ der Alltagsdiskriminierung durch abwertende Blicke, Ausgrenzungen in der Schule und auf Arbeit noch zusätzlicher Stress aufgebahrt und dem Aufsuchen einer Praxis noch mehr Hemmschwellen gesetzt. Das ist einer emanzipierten Gesellschaft unwürdig.
Es reicht! Mein Körper. Meine Entscheidung. Mein Recht.
Auf die Straße am 20.09. 2014 13 Uhr Brandenburger Tor, Berlin.